Der Kaiser als „Glücksbringer“

Ähnlich dem Spiel 77 gibt es auch bei unseren österreichischen Nachbarn eine Klassenlotterie. Hier ein interessanter Überblick über deren Enstehungsgeschichte.

„Ein Augenblick des Glücks wiegt Jahrtausende des Nachruhms auf.“ Der preußische König Friedrich der Große hatte offenbar seine ganz speziellen Auffassungen vom Wert des Glücks, doch er wird es bei dieser Erkenntnis kaum für möglich gehalten haben, dass knapp zwei Jahrhunderte später Kaiser Franz Joseph I. in Wien seinen Segen zur Gründung der Österreichischen Klassenlotterie gab. Denn damit wurde dem Glück kräftig auf die Sprünge geholfen.

Eine neue Einnahmequelle

Der 3. Januar 1913 war der Meilenstein dieser „k.k. Staatslotterie, doch die Monarchie an der Donau hatte bei diesem kaiserlichen Bewilligungsdekret am Vorabend des Ersten Weltkriegs wohl auch einen Hintergedanken. Mit der Einführung einer Klassenlotterie schöpften die Habsburger aus einer gänzlich neuen Einnahmequelle, denn die kriegerischen Auseinandersetzungen der jüngeren Vergangenheit hatte die Staatskasse schmerzlich schrumpfen lassen. Immerhin ließ seine Majestät wissen, dass der Erlös aus dem neuen Glücksspiel keinesfalls der Finanzierung neuer Aufmärsche dienen sollte sondern wohltätigen Zwecken zufließen werde. Historisches Vorbild war dabei die österreichische Kaiserin Maria Theresia, die bereits im Jahre 1751 mit dem „Lotto di Genova“ ihren betuchten Untertanen das Spiel mit dem Glück ermöglichte.

Immer wieder ein Nervenkitzel

Seit ihrem Gründungstag ist die Geschichte der Österreichischen Klassenlotterie eine Erfolgsstory. Zwar änderte sie häufiger ihren Namen, eröffnete Filialen in Prag, Karlsbad und sehr viel später auch in weiteren Metropolen Ost- und Südeuropas, doch trotz aller politischen Wirren blieb sie ihrem Grundsatz treu, ihren Kunden ein attraktives Gewinnspiel anzubieten. Seit 1990 und der Änderung des Glücksspielgesetzes ist die Klassenlotterie ein Teil der Österreichischen Lotterien Gesellschaft. Die Auflage der Lose und auch die Preise wurden erhöht, doch der Nervenkitzel blieb.

Sechs Klassen pro Halbjahr

In einem halben Jahr werden jeweils sechs Klassen ausgespielt, wobei die Kunden der Österreichischen Klassenlotterie selbst darüber entscheiden können, ob mit einem höheren Einsatz die individuellen Chancen steigen. Ganz sicher steigen im Falle eines Gewinns die zu erwartenden Summen. Wählen kann man zwischen Zehntel-Losen, halben Losen und ganzen Losen, wo letztere selbstverständlich die teuersten sind. Die höchsten Gewinne locken in der 6. Klasse, wobei jede Klasse vier Wochen dauert und die Ziehungen öffentlich sind. Aufgelegt werden jeweils 250000 Lose mit einer Gewinnsumme von insgesamt 126 Millionen Euro.

Glückspilze in Wien, Linz und Vorarlberg

So mancher Teilnehmer der Österreichischen Klassenlotterie konnte in der Vergangenheit sein Glück kaum fassen. So erging es in der 161. Ziehung im April 2006 einem Teilnehmer aus Wien, der fünf Zehntelanteile jener Losnummer besaß, die in der Schlussziehung veröffentlicht wurde. Der Haupttreffer dieses Tages hätte einen Gewinn von fünf Millionen Euro erbracht – so musste sich der Wiener mit 2,5 Millionen Euro „bescheiden“. Im April 1995 war der Jubel unweit von Linz riesengroß, denn ein Spielteilnehmer durfte sich in der 139. Klassenlotterie über 50 Millionen Schilling freuen – das waren 3,6 Millionen Euro. Ein gleicher Betrag wurde 1992 nach Vorarlberg überwiesen. Auch hier erwischte ein Glückspilz mit seinem ganzen Los den Hauptgewinn der 136. Klassenlotterie. Übrigens werden die Haupttreffer jeweils an einem Montag gezogen. An diesem Tag werden 29 neue Millionäre geboren.

Hundert Kilogramm Gold

Die Erweiterung des Gewinnplans von fünf auf sechs Klassen erfolgte im Jahr 1968. Knapp dreißig Jahre später gab es dann eine „Goldlotterie“ mit einem Zusatzgewinn von sage und schreibe hundert Kilogramm Gold. 2013, aus Anlass des hundertjährigen Bestehens, lockte die Klassenlotterie mit einem Jubiläums-Extra von 50000 Euro für insgesamt hundert Spieler. Wer jetzt auf den Geschmack gekommen ist kann sich für dieses Jahr gerne auch ein Klassenlos kaufen.

 

Hinterlasse einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.Benötigte Felder sind markiert *

*